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Historie - Entstehung und Ausbau einer Firma
1989 Als 14-jähriger machte ich damals ein zweiwöchiges Schulpraktikum (9.Klasse) bei einer Philateliefirma.
1990-93 Während meiner letzten vier Schuljahre habe ich in kleinem Umfang (ohne zu wissen, dass es mal zu einem eigenen Unternehmen führt) mit Altbriefen, Dokumenten und Briefmarken gehandelt. Noch vor meinem 15. Geburtstag war ich fleißig bietend auf meiner ersten Auktion; die Tatsache, dass ich rechtlich als Junge unter 18 Jahren noch nicht geschäftsfähig war (§ 106ff BGB), hat für diese Firmen offenbar keine Rolle gespielt, aber auch nicht geschadet. Mein Vater, Pfarrer Dr. Walter Bujard, hat meine frühen betriebswirtschaftlichen Gehversuche ideell unterstützt und meine Mutter, Diplom-Übersetzerin Birgit Bujard, fand es ganz lustig, dass ich als Schuljunge schon soviel Geschäftspost bekam. (Übrigens: Mein Bruder, Olaf Bujard, ist auch seit vielen Jahren Unternehmer und Geschäftsführer der renommierten Werbeagentur Medialis Marketing GmbH.)
In diesen vier Jahren habe ich mich inhaltlich in die Materie eingearbeitet und erste Erfahrungen mit Auktionen, Händlern, Prüfern und Kunden gesammelt. Nach dieser Phase, in der ich auch mein Abitur machte und diverse andere Interessen hatte, war ich fit für die Firmengründung: Ich konnte Qualität und Authenzität der Waren gut beurteilen, kannte den Markt mitsamt seinen Möglichkeiten, hatte wichtige Kontakte aufgebaut, grobe Ansätze von Buchhaltung gelernt und betriebswirtschaftliches Denken verinnerlicht.1994 Nach meinem Abitur folgte als 18-jähriger die Gründung meines Kunsthandels. Am Anfang waren Investitionen in beachtlicher Größenordnung notwendig, um die Firma aufzubauen. Voraussetzung dafür waren einerseits Mut und Gründergeist, andererseits ein fundierter Geschäftsplan und harte Arbeit. Zudem ermöglichte die Volksbank Leihgestern den notwendigen Startkredit, was vor dem Hintergrund der heutigen restriktiven Kreditvergaben für Unternehmensgründungen nicht zu unterschätzen ist.
Um diese Investition in Angebote umzumünzen, arbeitete ich sehr intensiv und hatte schließlich im Oktober 1994 meine erste Preisliste fertig. Sie war den heutigen nicht unähnlich, jedoch noch mit kleinen Fehlerchen. Dieser Improvisationscharakter hatte für viele damalige Kunden durchaus seinen Charme, zumal sie durch Engagement und Service ausgeglichen wurde.
Die Firmengründung bestand zwar rechtlich nur aus dem Erwerb eines Gewerbeschein bei der Kommune, hatte aber diverse Implikationen: Ich musste mir ein eigenes Büro einrichten und systematisch organisieren. Des weiteren habe ich mir den Umgang mit Computer und Datenverarbeitungssoftware, aber auch mit Buchhaltung und Steuersystem angeeignet. Auch Werbung habe ich intensiv betrieben, sowohl durch Kleinanzeigen, wie ich sie heute noch regelmäßig aufgebe, als auch durch ganzseitige Anzeigen in den landesweiten Sammlermagazinen.
1995 In diesem zweiten Jahr erreichte mein Kunsthandel bereits einen sechsstelligen Jahresumsatz. Alle Einnahmen wurden in den Ausbau der Firma reinvestiert. Nach drei Preislisten im vorigen Jahr wurden elf Listen verschickt (Listen Nummer 4 - 14). Ein fast monatlicher Rhythmus im Listenversand entstand, diese Regelmäßigkeit wurde bis heute beibehalten. Die Auflage meiner Listen steigerte sich von 100 auf 130.
In diesem Jahr machte ich meinen im Oktober 1994 angefangenen Zivildienst fertig. Meine Firma musste ich also "nebenher" betreiben, was mich vom Zeitaufwand her an meine äußersten Grenzen brachte. Die Bereiche Büroorganisation, Datenverarbeitung, Steuern & Buchführung und Werbung waren weiterhin eine Herausforderung, die sich durch zunehmende Routine in den Folgejahren aber immer leichter zu bewältigen war.
1996 In diesem dritten Jahr erreichte mein Kunsthandel wieder einen sechsstelligen Jahresumsatz und wie bisher wurden alle Einnahmen in den Ausbau der Firma reinvestiert. Seit Anfang des Jahres wohnte ich (und damit meine Firma) in Heidelberg. Im Zivildienstjahr und in Heidelberg standen mehrere Umzüge an, insgesamt sechs in zwei Jahren, was für einen Versandhandel eine große Herausforderung war. Nicht nur Stempel und Briefpapier mussten ständig erneuert werden. Trotzdem wurden wieder elf Preislisten verschickt (Listen Nummer 15-24), die Auflage stieg auf 160, dabei immer mehr Stammkunden.
Anfang des Jahres gründete ich mit dem Martin-Versand eine zweite Firma mit dem Anspruch, zwei Zielgruppen gerecht zu werden: Dem höherpreisigen Qualitätssegment unter "Martin G. Bujard" und dem "Martin-Versand" mit dem Fokus auf günstige Angebote. Die Vorteile dieser aufwendigen Umstellung (zielgenaues Ansprechen der Kundengruppen und etwas erhöhter Umsatz) standen in schlechter Relation zu dem immensen Aufwand. Beide Kundendateien, beide Werbemodelle und beide Warenlager wurden nach einem halben Jahr folglich wieder verschmolzen. Im Nachhinein war das alles viel Arbeit für nichts, aber das weiß man erst, nachdem man es ausprobiert hat. Das eigentliche erfolgreiche Geschäftsmodell musste ich schließlich auch ausprobieren, bevor ich wusste, dass es funktioniert.
Im April dieses Jahres fing ich an der Heidelberger Universität mein Studium an. Zuerst Psychologie auf Diplom, später wechselte ich zu einer Magisterkombination mit Politikwissenschaft als Hauptfach sowie den Nebenfächern Psychologie und Jura. Meine Motivation dazu war neben der Neugier auf Bildung, mir eine weitere berufliche Perspektive aufzubauen. Diese Entscheidung war ein Glücksfall, denn die Wissenschaft hat mich gefesselt und als Student hat man ein fantastisches Leben, lernt viele interessante, spannende Menschen kennen, besonders in einer international geprägten Studentenstadt wie Heidelberg. Von meiner Firma habe ich anfangs in meinem Umfeld wenig erzählt, denn ich fühlte mich mehr als Student als als Firmeninhaber. Der Zeitaufwand allerdings war für meine Firma etwas größer war als der für das Studium, weshalb das Studium zwangsläufig nur langsamer als bei normalen Vollzeitstudenten voranschreiten konnte.
1997 Weiterhin blieb der Jahresumsatz sechsstellig und alle Einnahmen wurden in den Ausbau der Firma reinvestiert. Aufgrund einer längeren Asienreise wurden in diesem Jahr nur acht Listen verschickt (Listen Nummer 25-32). Der Schwerpunkt meiner Angebote fokussierte sich immer stärker auf mein Lieblingsgebiet "Altdeutsche Staaten 1849-1871". Das Schöne ist, dass man als Händler selbst nach jahrelanger Arbeit mit diesem Spezialgebiet, jedes Jahr noch einiges hinzulernt. Die Anzahl an spezialisierten Kunden, deren Sammlertätigkeit einem wissenschaftlichen Forschungsprojekt ähnelt, nahm im Laufe der Jahre stark zu. Interessanterweise kommen übrigens 40% meiner Kunden aus den neuen Bundesländern.
In diesem Jahr verbesserte ich die Infrastruktur meines Büros in vielen Punkten. Der Anzeigenerfolg wurde statistisch sowie inhaltlich ausgewertet, wonach sich seitdem mein Werbekonzept richtet. Dieses Konzept beinhaltete vor allem den Fokus auf kostengünstige Kleinanzeigen, denn was man in der Werbung spart, kann man durch günstigere Preise an die Kunden weitergeben. Meine Kundenkorrespondenzen wurden von einem chronologischen in ein alphabetisches System umgestellt, was arbeitsintensiv war, aber mittelfristig sowohl einen Zeitspareffekt als auch einen Überblicksvorteil brachte. Des weiteren wurden von mir Bestellformulare, Adressetiketten und Rechnungsformulare entworfen sowie Standardbriefe für diverse Sachverhalte formuliert. All diese Punkte sorgten dafür, dass ich in den darauf folgenden Jahren zeitlich entlastet wurde. Auf der anderen Seite nahm mein Kunsthandel aus Sicht meiner Kunden eine professionellere Gestalt an.
1998 In diesem Jahr wurden erstmals seit der Firmengründung nicht sämtliche finanziellen Mittel in den Ausbau des Warenlagers reinvestiert, so dass sich das Warenlager auf ein optimales Maß eingependelt hatte. Das ist ein gesunder Prozess und vom Zeitpunkt her gesehen betriebswirtschaftlich mustergültig. Für die finanzielle Seite bedeutete dies, dass der wichtige "break even point" in diesem fünften Jahr erreicht wurde. Die Firma war schuldenfrei, sämtliche Investitionen der Starterjahre waren amortisiert. Anders formuliert: Die Firmeninfrastruktur und das komplette Warenlager waren nicht mehr (teil-) kreditfinanziert, sondern gehörten komplett mir. Das ist bei einem Handelsunternehmen nicht selbstverständlich, schon gar nicht in einer so frühen Phase und bei einem Startkapital eines bei der Gründung Achtzehnjährigen von nahe Null.
Doch was hieß das für meine Kunden und die Verkaufsseite? Zuerst einmal: Wenig neue Ware in jenem Jahr. Jedoch bestätigte die Tatsache, dass wieder ein sechsstelliger Jahresumsatz erreicht wurde, die fast gleich bleibende Attraktivität meiner Angebote. Durch diese Warenlagerabschmelzung hatte ich am Jahresende und auch in den folgenden Jahren einen weitaus besserer Überblick über mein Warenlager und konnte gezielter neue Ware einkaufen. Langfristig verfolge ich das Ziel, einen dünnen aber gleichzeitig attraktiven und sich ständig erneuernden Warenbestand zu haben und nicht wie manche Kollegen dicke, wertvolle, aber schwerverkäufliche Lagerbestände anzuhäufen.
Elf Listen (Nummer 33-43) wurden wieder verschickt, das Listendesign jedoch deutlich verändert. Statt auf mehreren kopierten DIN A 4 Zetteln werden seit der 33. Liste (Januar 1998) meine Angebote handlichen DIN A 5 - Broschüren gedruckt.
Des weiteren gab es noch Verbesserungen im Controlling durch die Einführung eines Systems von Überblickstabellen inklusive Arbeitszeitanalyse. Die Büroeinrichtung wurde ausgebaut und im Oktober zog ich in die Marstallstraße, direkt am Universitätsplatz mit Blick auf Marstallcafe und Mensa. In den Bereich Buchhaltung und Steuern habe ich mich weiter eingearbeitet, so dass ich seitdem ohne Steuerberater auskomme. Dadurch spare ich nicht nur hohe Beraterkosten, sondern habe durch diese Kompetenzen auch bessere Planungsmöglichkeiten gewonnen.
1999 Der weiterhin sechsstellige Umsatz konnte leicht gesteigert werden. Es wurden zehn Listen verschickt (Nummer 44-53), wobei die Auflage innerhalb der letzten Jahre auf 300-350 angestiegen ist. Seitdem blieb sie, von werbebedingten Ausreißern nach oben abgesehen, konstant in dieser Größenordnung. Da ich in diesem Jahr die langfristig anvisierte Größe meiner Kundendatei erreicht hatte, konnte ich seitdem weitestgehend auf teure Großanzeigen verzichten. Die damit gewonnene Ersparnis konnte ich durch Preissenkungen und großzügigere Rabatte (3 / 5 / 10%) an meine Kunden weitergeben.
Aus meinem im letzten Jahr entwickelten Controllingsystem habe ich dieses Jahr ein Prognosesystem entwickelt. Die auf einfachen Dreisatzrechnungen basierende Anwendung ist prinzipiell nicht schwer. Die Entwicklung war etwas aufwendiger, da aus dynamischen Durchschnittsdaten Multiplikatoren (wie Einkaufspreis-Verkaufspreis) errechnet und die aggregierten Fixkostendaten in variable und feste getrennt werden mussten. Außerdem musste die glücklicherweise schon von Beginn an erfasste Arbeitszeit in drei Bereiche differenziert und berechnet werden: 1) "Input" also Einkauf, Prüfen, Einsortieren und in der PC-Listenversion beschreiben, 2) "Output" also Werbung, Listen drucken und verschicken sowie Bestellungen bearbeiten und 3) "Generell" also Buchhaltung, Infrastruktur und Controlling.
Dieses Prognosesystem ist enorm wichtig für meine Firma, denn ich kann die Investitionen und den zeitlichen Aufwand ebenso planen, wie ich einzelne Betriebsprozesse hinsichtlich von Arbeitszeiteffizienz und wirtschaftlicher Effizienz kontrollieren kann. Wie präzise sich seitdem Jahresarbeitszeit, Wareninvestitionsbedarf und Gewinn im voraus prognostizieren lässt, hat mich am Jahresende selbst oft überrascht. Angesichts der zunehmenden Größe meiner Firma war dieses Prognosesystem notwendig, um mein Universitätsstudium mit zumindest einem Semester pro Jahr erfolgreich fortzusetzen zu können.
2000 In diesem Jahr hatte ich Universitäts-Zwischenprüfung und deswegen wurden nur fünf Listen verschickt (Nummer 54-58) Der Umsatz war folglich das erste Mal seit 1994 knapp unter der sechsstelligen Marke. Im Verhältnis zum geringen Aufwand in diesem Jahr waren Gewinn und Zeiteffizienz sehr zufriedenstellend.
Inhaltlich erschloss ich in diesem Jahr neue Einkaufsquellen und arbeitete mich in die Stempel- und Altbriefwissenschaft ein. Ein Gebiet, dass einem einen historischen Flair vermittelt. Wenn man einen Schnörkelbrief aus der Zeit des dreißigjährigen Krieges vor sich hat, dann atmet man Geschichte.
2001 In diesem Jahr wurde das Geschäft wie gewohnt weitergeführt (Listen Nummer 59-65). Da meine Firmeninfrastruktur wie oben ausführlich erläutert in den Jahren 1994-99 ständig ausgebaut wurde, konnte ich seitdem aus dem vollen schöpfen und mich vor allem auf den Einkauf und den Verkauf der Ware konzentrieren.
Am Ende des Jahres musste ich die Euroumstellung für meine Firma organisieren. Bei der Preisliste wurde jede einzelne Position durch 1,95583 geteilt und abgerundet (ab!) und sämtliche Aggregatdaten meiner Controllingtabellen mussten auf Euro umgestellt werden. Diese Arbeit habe ich sehr gerne gemacht, denn ich war schon seit langem ein Anhänger der Euroidee. Die Vorteile für die Wirtschaft aber auch die friedensstiftende Komponente der Europäischen Gemeinschaft sowie der Währungsunion schienen mir sehr wertvoll. Mehr zum Thema EU finden Sie in meinem Abschnitt Universität.
2002 Dieses Jahr wurde, was den Gewinn betrifft, das bis dahin erfolgreichste Jahr meiner Firmengeschichte. Es wurden zehn Listen verschickt (Nummer 66-75) und der Umsatz lag bei rund 100.000,- Euro. Trotzdem blieb genug Zeit, um an der Universität weitere Scheine zu machen. Im August initiierte ich eine Spendenaktion für die Flutopfer in Ostdeutschland und überwies dabei fünf Prozent des Monatsumsatzes von knapp 8.000,- an das entsprechende Konto beim Roten Kreuz.
Hinsichtlich von Büroorganisation und Arbeitsabläufen hat die Firma eine gewisse Reifestadium erreicht. Die Infrastrukturarbeiten der ersten sieben Jahre waren sehr wertvoll. Meine Arbeitszeit kan ich seit diesem Jahr fast ausschließlich für den Erwerb neuer Ware sowie das Versenden der Ware und die Kundenkommunikation nutzen. Infrastruktur umfasst mehrere Punkte: Die Logistik stimmt, denn Versandmaterialien und diverse Arbeitsmaterialien sind so organisiert, dass sie ohne großen zusätzlichen Arbeitsaufwand immer vorhanden sind. Sämtliche Kontakte und Informationen sind schnell verfügbar organisiert. Die Datenverarbeitungsprogramme sind für meinen Bedarf optimal abgestimmt und leistungsstark. Bankverhandlungen fallen weg, da ich ohne Fremdfinanzierung arbeiten kann. Beim Einsortieren ist sämtliche benötigte Literatur vorhanden, so dass auch spezielle Stempel, Briefdestinationen oder Abarten schnell kompetent bearbeitet werden können. Auch die Buchhaltung ist inzwischen gut organisiert, Werbung ist automatisiert. Viele Infrastrukturarbeiten der letzten Jahre brachten zwar keinen unmittelbaren Umsatz, sie waren aber eine wichtige Investition in die Zukunft meines Unternehmens, denn Jahr für Jahr profitiere ich nun davon. Ebenso profitieren davon meine Kunden, denn durch diesen Zeitgewinn habe ich mehr Zeit für die direkte Kommunikation.
2003 Dieses Jahr hatte mein Kunsthandel hinsichtlich von Gewinn und Umsatz wieder die Vorjahre übertroffen. Große und qualitativ hochwertige Nachlässe konnte ich übernehmen und meinen Kunden so ein enorm breites Qualitätsangebot präsentieren. Der Umsatz fiel dementsprechend sechsstellig aus, in Euro. Dabei wurden monatlich elf Preislisten verschickt (Nummer 76-86).
Um im nächsten Jahr 2004 ausreichend Zeit für die Erstellung der Magisterarbeit zu haben und gleichzeitig meinen Kunden neue Angebote präsentieren zu können, habe ich bereits 2003 zusätzlich neue Ware erworben und bearbeitet, die erst im nächsten Jahr angeboten wurden.
2004 Da ich in diesem Jahr meine Magisterarbeit geschrieben hatte, mussten meine Firmenaktivitäten etwas reduziert werden. Es wurde keine neue Ware eingekauft, der Verkauf und Listenversand wurden jedoch fortgesetzt. In den ersten Monaten modernisierte ich mein EDV-System und entwarf eine eigene Homepage. Dies nahm einige Zeit in Anspruch, weil ich mir Kenntnisse im Webdesign erst aneignen musste. Eine von IT-Firmen teuer gestaltete Seite oder eine Komplettvorlage wollte ich nicht nehmen, da mir eigene Kompetenzen in dieser wichtigen Zukunftstechnologie wichtig erschienen, nicht zuletzt weil man technische Möglichkeiten sonst kaum selbst beurteilen kann.
Nach 10 Jahren mit einer eigenen Firma kann man mit Hilfe von Statistiken einige Entwicklungen und Reifungen der Firma mustergültig nachzeichnen. Das gilt für die Umsatzentwicklung, die Kostenentwicklung, die Kundenzahl, die Gewinnspanne, die Arbeitszeit, den Werbeetat, die Steuerquote, die Anzeigenresonanz und die Lagerhaltung. Beeindruckend ist die Zahlungsausfallsquote, die nach Erfahrungen und Nachjustierungen der ersten Jahre seit dem Jahr 2000 konstant bei unter 0,1% vom Umsatz liegt - eine gute Nachricht für ehrliche Kunden, denn sie müssen bei mir nicht schwarze Schafe mitfinanzieren. Das Reklamationsmanagement ist in dieser Branche wichtig, da gerade in der klassischen Philatelie Qualität und angemessene Beschreibungen zentrale Bedeutung haben. Die Rücksendequote ist kontinuierlich seit Firmengründung gesunken - dies ist ein wichtiger Gradmesser für die Qualität meiner Ware und ihrer Beschreibung sowie für die Kundenzufriedenheit.
2005 Da ich meine schriftlichen und mündlichen Magister-Prüfungen bei der Universität Heidelberg hatte, mussten meine Firmenaktivitäten etwas reduziert werden. Der Umzug von der Heidelberger Altstadt nach Dossenheim stand an, im neuen Büro hat man einen fantastischen Ausblick auf die Bergstraße.
Ansonsten lief die Firma in allen Bereichen wunderbar die eingeschlagenen Pfade weiter, nur etwas änderte sich: Internet und Email wurden als Werbe-, Kommunikations- und Bestellplattform immer stärker benutzt.2006 Auch nach 12 Jahren waren Umsatz, Gewinn, Kundenkontakt, Werbung und Controlling sehr zufrieden stellend. Sieben Listen (Nummer 105-111) wurden verschickt. Über die zahlreichen Glückwünsche von meinen Kunden und Geschäftspartnern zur Geburt unseres Sohnes Simon habe ich mich besonders gefreut.
Nach Abschluss meines Studiums kam die Frage auf, wie sich der Berufseinstieg in den Bereich meiner Profession Politik / Wissenschaft vollzieht. Da ich zunächst ein knappes halbes Jahr Praktikum im Abgeordnetenbüro eines MdL machte, verschiedene Optionen sondierte und die Anmeldung zur Promotion vorbereitete, blieb noch genug Zeit, die Firma weiterzuführen.2007 In diesem 13 Jahr lief die Firma weiterhin sehr solide, wobei sich meine beruflichen Voraussetzungen änderten. Anfang des Jahres habe ich meine Promotion an der Universität Heidelberg begonnen. Durch den Einkauf einer großen Sammlung der Altdeutschen Staaten im Frühjahr konnte ich meinen Kunden wieder ein großes Angebot präsentieren. Seit November arbeite ich neben der Promotion als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Büro eines Bundestagsabgeordneten.
seit 2008 Durch die Promotion und die Stelle im Bundestagsabgeordnetenbüro verblieb kaum noch Zeit für das Einkaufen neuer Waren. Meine Firma fokussierte sich auf den wenig zeitaufwendigen Verkauf von Waren aus dem Firmenbestand. Dadurch erhielten meine Kunden weiterhin Angebote, gleichzeitig konnte ich mich voll auf die beruflichen Herausforderungen konzentrieren.