BildungspolitikMein Ziel ist, dass Bildung eine deutlich höhere Priorität bekommt, in den öffentlichen Haushalten ebenso wie in der medialen Diskussion. Bildungspolitik stellt die Weichen für die Zukunft unseres Landes. Konkret stehe ich für Veränderungen im Bildungssystem auf allen Ebenen: Kindergärten sollten kostenfrei gestellt werden, das letzte Jahr verpflichtend sein. An den Schulen gehört das dreigliedrige Halbtagsschulsystem abgeschafft, alle Schulen sollten zügig zu Ganztagsschulen ausgebaut werden, die Potenziale insbesondere von Arbeiterkindern und Migrantenkindern dürfen nicht mehr durch frühe Separierung und schlechte Betreuungsschlüssel vergeudet werden. Studiengebühren zum Stopfen von Haushaltslöchern der Länder lehne ich ab, das erste Hochschulstudium sollte kostenlos bleiben.
Ganztagsschulen:
Eine der dringendsten Notwendigkeiten zur politischen Veränderung ist der zügige und flächendeckende Ausbau der Schulen zu Ganztagsschulen. Außer in Deutschland gibt es nur noch in Österreich ein Halbtagsschulensystem. Dies hat nachweislich negative Folgen: Zum einen können Mütter, die den Wunsch nach einer ganztägigen Berufstätigkeit haben, diesem nicht nachgehen, wenn die Kinder um 13 Uhr (oder sogar früher und dann ist nicht einmal eine halbtägige Berufstätigkeit möglich!) aus der Schule kommen und der Mann voll berufstätig ist. Zweitens sind die Bildungsergebnisse Deutschlands im internationalen Vergleich (Pisa) auch deswegen durchwachsen, weil die Potenziale v. a. von Kindern aus bildungsfernen Schichten halbtags nicht ausreichend gefördert werden können. Und drittens ist die Integration und der Spracherwerb von Kindern mit Migrationshintergrund halbtags schwerer zu gewährleisten, wenn im Elternhaus nicht deutsch gesprochen wird. Zugegeben: Ein Ausbau der Ganztagsschulen mit qualifiziertem Lehrpersonal kostet öffentliche Gelder, diese sind aber nirgendwo so gut angelegt, wie in der Bildung. Und im Unterschied zu monetären Transferleistungen, bringen diese Ausgaben auch Jobs.
Kleinkindbetreuung, Kindergärten und Sprachförderung:
Eine moderne Bildungspolitik beinhaltet aber auch noch andere Punkte: Bildung fängt früh an, eine dem Bedarf entsprechende qualifizierte Kleinkindbetreuung als nicht verpflichtendes Angebot hilft, die Potenziale junger Menschen zu fördern. Kindergärten für 3- bis 6-jährige sollten kostenfrei gestellt werden und dem Bedarf entsprechend sollten mehr Ganztagsplätze angeboten werden. Das letzte Kindergartenjahr sollte verpflichtend sein, vor allem in Hinblick auf die Lebenschancen von Migrantenkindern müsste diese Regelung konsequent implementiert werden. Im Kindergartenalter muss bereits eine systematische Sprachförderung greifen, damit Migrantenkinder bei der Einschulung alle Chancen haben und nicht, wie es bisher häufig geschieht, einen Rückstand haben, den sie bis zum Schulabschluss und Berufseinstieg nicht mehr aufholen können.
Schulen:
Abitur mit 18 Jahren ist international üblich. 12 Schuljahre zum Abitur sind genug, der Übergang vom 13-Schuljahre-System sollte jedoch behutsam vollzogen werden. Hinsichtlich der Lehrpläne ist eine stärkere Berücksichtigung von Themen wie Gesundheitsvorsorge, Steuer- und Sozialsystem, Elternschaft, Berufsfelder und neue Medien sinnvoll. Schulen sollten mehr Autonomie erhalten, die Prüfungen dagegen sollten zentral sein und damit eine Vergleichbarkeit der Lehre ermöglichen. Das dreigliedrige Schulsystem sollte abgeschafft werden und durch ein gemeinsames Schulsystem bis zur neunten Klasse ersetzt werden (Vorbild Finnland). Dafür ist eine individuellere Betreuung (erinnert an Klinsmanns Trainingsmethoden) notwendig, die kleinere Klassen und eine Neueinstellung von Lehrern voraussetzt. Die Zahl der Abiturienten sollte mittel- und langfristig bei 70 - 80% eines Jahrgangs liegen, was den zukünftigen Anforderungen des Arbeitsmarktes entspricht und zur dadurch zur Lösung des Arbeitslosigkeitsdilemmas beiträgt.
Hochschulen:
Das Hochschulstudium muss kostenlos bleiben, der Erwerb von Bildungsgutscheinen für ein (die Regelstudienzeit plus zwei Semester lang) gebührenfreies Studium mit dem Abitur ist sinnvoll. Der Wert und auch die staatlichen Kosten dieses Studiums sollten stärker vermittelt werden. Um den Bedürfnissen des Arbeitsmarkts im 21. Jahrhundert zu entsprechen und Arbeitslosigkeit zu reduzieren, brauchen wir mehr Studenten, nicht weniger. Leistung, Konkurrenz und Elite sind Begriffe, die an den Universitäten willkommen sein müssen. Ebenso Transparenz, Solidarität und Chancengleichheit im Wettbewerb der Universitäten. Die Finanzierung der Universitäten sollte transparenter werden und sich stärker nach der Anzahl der innerhalb eines Zeitraums erbrachten Abschlüsse und Teilabschlüsse richten.
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Angrenzende Politikbereiche:
Bildungspolitik hat auch Auswirkungen auf die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit.
Bildungs- und Familienpolitik sind eng miteinander verwoben.
Wichtige Voraussetzungen für Bildungspolitik wurden durch die Föderalismusreform 2006 verändert.
Lesen Sie auch meinen Zeitungsartikel: Qualifizierte Kinderbetreuung und Ganztagsschulen